Der Geleitweg von Würzburg nach Tauberbischofsheim

Hoheitssäulen bei Gerchsheim

Was die heutigen Autobahnen sind, waren im Mittelalter die Geleitwege. Über das Gebiet der heutigen Gemeinde Großrinderfeld führte der bedeutende Geleitweg von Würzburg (von Nürnberg kommend) nach Mainz (über Frankfurt), weiterführend nach Köln und Antwerpen  vorbei. Belegt ist dies durch historische Karten aber auch Denkmale wie die Hoheitssäulen bei Gerchsheim.

Auf den Geleitstraßen haben unter anderem Kaufleute ihre Waren transportiert. Es waren vor allem Nürnberger Kaufleute, die ihre Waren nach Frankfurt zur Messe brachten.  Damit die Kaufleute dies durften mussten sie eine Gebühr bezahlen. Diese wurde „Geleitgeld“ genannt. Im Prinzip eine Art Maut. Sie wurde an den jeweiligen Territorialherrn bezahlt. Bei uns war dies Mainz.

Zwischen den Territorialherren kam es gelegentlich zu Streitigkeiten darüber, wer das Geleitgeld erheben durfte. Im Jahr 1584 wurden durch die Errichtung der Hoheitssäulen nördlich von Gerchsheim die Streitigkeiten zwischen dem Bischof von Würzburg und dem Erzbischof von Mainz beseitigt. Durch die Säulen ist einer der Wegpunkte eindeutig belegt.

Ausschnitt einer historische Kartenrekonstruktion mit Verlauf des Geleitweges.

Andere Wegpunkte findet man aufgrund von alten „Grenzsteinen“ sowie historischen Karten. Obiger Kartenausschnitt entstammt beispielsweise einer wissenschaftlichen Arbeit aus 1907[1], die das mittelalterliche Wegenetz rekustruierte (vollständiger Kartenausschnitt). Wer genau hinschaut erkennt die Eintragung für Großrinderfeld („Gr. Rinderf.„) Ausserdem ist bewiesen dass Tauberbischofsheim ein Kreuzungspunkt von Geleitwegen war.

Zusammenfassend kann man also davon ausgehen, dass ein Geleitweg tatsächlich von Würzburg über Gerchsheim und Großrinderfeld nach Tauberbischofsheim verlaufen ist.

Innerhalb unseres Vereins beschäftigt sich die Fachgruppe „Geleitweg“ mit allem, was mit dem Weg selbst, dem Geleitweisen sowie seinen heute noch sichtbaren Zeugnissen (z.B. Kleindenkmale) auf Großrinderfelder Gemarkung zu tun hat. Dazu kooperieren wir auch gerne mit anderen Interessierten und freuen uns auf einen regen Austausch.

Hier auf unserer Webseite veröffentlichen wir unseren Wissensstand zum Geleitweg. Das Angebot wird beständig ausgebaut. Gerade in der Heitmatforschung ist nicht immer alles hundertprozentig sicher. Wir werden auch Dinge veröffentlichen, derer wir uns nicht ganz sicher sind. Daher geben wir jeweils an, wie gesichert uns Fakten erscheinen. Wir tun dies in der Hoffnung so auch auf andere Interessierte zu treffen und nehmen Korrekturen, Ergänzungen und sonstige Kommentare gerne entgegen.

Quellen

[1] “Zur Geschichte der alten Handelsstraßen in Deutschland”, Friedrich Rauers, 1907, S. 31, online via https://archive.org/details/zurgeschichteder00raue/page/n29 (zuletzt abgerufen 2019-08-30, 11:46)

Stand: 2019; Text: Walter Lutz mit Ergänzungen durch Rainer Gerhards

Nach oben scrollen